Was ist eheliche Gewalt?
• Körperliche und sexuelle Misshandlung
• Beschimpfung, Demütigung und Bedrohung
• Isolierung und ökonomische Gewalt
von Menschen, mit denen der Täter (Partner) zusammenlebt (oder gelebt hat) mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben.

Er zeigt Reue
… und zwar immer dann, wenn er fürchten muss, dass sie ihn verlässt.
Durch seine Entschuldigung fühlt sich die Frau gedrängt, ihre Angst, Wut und Empörung zu unterdrücken, d.h. ihre eigenen Gefühle hintan zu stellen.
Passiert das mehrfach, verliert sie ihre eigenen Gefühle und ihre Selbstachtung.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

1. Er entschuldigt sich, ist entsetzt darüber, was er angerichtet hat.
2. Er sucht nach Erklärungen, wie ihm so etwas passieren konnte, ist zerknirscht.
3. Sie trösten ihn (und vergessen Ihre eigene Wut und Enttäuschung).
4. Er sagt Ihnen, was Sie anders machen müssen, damit er nicht wieder ausrastet. (Kindererziehung, Geldfragen, Sex, Haushalt, keine Freunde/Freundinnen treffen)
5. Dann wird lange nicht mehr darüber gesprochen, Sie hoffen beide, dass es damit erledigt ist.

jedoch

… seine Herrschsucht bleibt:
6. Eines Tages – ein neuer Streit: dabei haben Sie die besseren Argumente, er kann sich nicht durchsetzen, fühlt sich machtlos.
7. Er schlägt zu: Jetzt fühlt er sich obenauf, stark, Herr der Lage.
8. Sie sind entsetzt, gelähmt, wehren sich nicht.
9. Er steigert sich in einen Macht-(Blut-)rausch (was er später Black-Out nennen wird).
10. Dann sieht er: Sie sind viel schlimmer verletzt, als er beabsichtigte. Jetzt ist er entsetzt.
Vielleicht sind die Rosen diesmal teurer – der Rest aber bleibt gleich.

Warum?

Sein Verhalten hatte er nicht in Frage gestellt
und deshalb in der Zwischenzeit nichts dazugelernt. Von jetzt an werden

• Beschimpfungen, Demütigungen und Schläge schlimmer

• die Abstände zwischen den Gewaltausbrüchen kürzer

• die Verletzungen gefährlicher

Wer ist schuld?
Typisch für Misshandler ist, dass sie nie Verantwortung übernehmen für ihr Tun.
Sie geben die Schuld
• dem Alkohol
• der schlimmen Kindheit
• dem Stress wegen Arbeit/Arbeitslosigkeit
• dem Opfer

Auch das Opfer neigt dazu, den Grund für die Schläge im eigenen Verhalten zu suchen. Es hofft, in Zukunft diese Fehler zu vermeiden und damit auch die Misshandlung. Aber die Erfahrung zeigt: Misshandler finden immer einen Grund – egal, was das Opfer tut.

Zurückschlagen?
Zurückschlagen – auch mit Worten – schützt nicht vor weiteren Schlägen.
Es kann die Situation verschlimmern.

Eine Frau sollte allerdings Grenzen setzen, sich wehren und damit ihre Selbstachtung bewahren – die ist entscheidend für weitere Schritte.

Sie kann den Misshandler anzeigen und ihn mit juristischen Mitteln zwingen, auszuziehen und sich fern zu halten.
Wie, das erfahren Sie in den Kapiteln:
»Gewaltschutz« (Gewaltschutz)
»Strafantrag« (Strafantrag)

Ihre Menschenrechte
Sie haben ein Recht
• auf körperliche Unversehrtheit
• eigene Gedanken und Meinungen
• darauf, dass das, was Ihnen teuer ist, mit Respekt behandelt wird
• auf eigene Freunde
• auf sexuelle Selbstbestimmung
• darauf, eine Beziehung zu verlassen und eigene Wege zu gehen

Ihre Wünsche sind ebenso wichtig wie seine.
Nicht Sie sind verantwortlich für das Verhalten Ihres Partners, sondern er.

Was ist Streit und was Gewalt?
In jeder Beziehung gibt es Interessenkonflikte, es kommt zum Streit.
Streit kann in Gewalt ausarten.

Wie beginnt die Gewalt?
Gewalt kann viele Formen haben; immer hat sie den Zweck, Macht und Kontrolle auszuüben. Sie zerstört das Selbstbewusstsein der Partnerin und macht sie schließlich handlungsunfähig.

Er brüllt.
Er droht mit Blicken oder Gesten.
Er redet ihr ein, dass sie psychisch krank sei und er sie einweisen lassen könne.

Haushaltsgeld teilt er zu, Taschengeld ebenso.
Verdient sie eigenes Geld, entscheidet er, wofür es ausgegeben wird.

Erniedrigung

• Er macht Witze auf ihre Kosten vor Gästen
• Will sie nicht angefasst werden, hält ihn das nicht ab.
• Will er Sex und sie nicht, setzt er sich darüber hinweg.

Kinder benutzen

Die Kinder müssen ihm berichten, was sie tut, wenn er nicht da ist.
Versagen die Kinder in der Schule, macht er sie dafür verantwortlich.
Er droht, ihr die Kinder wegzunehmen oder ihnen etwas anzutun.

Isolieren

Er will immer wissen, wohin sie geht, wen sie trifft.
Er verbietet ihr den Kontakt zu ihrer Familie, ihren Freundinnen.

Was stoppt Gewalt?
Eine Frau kann ihren Mann nicht erziehen.
Er ändert sich nur, wenn sein bisheriges Verhalten ihm nicht mehr nützt, sondern schadet:
• wenn er Strafe oder Probleme am Arbeitsplatz fürchten muss,
• wenn ihn die Frau verlässt.

Dann bemüht er sich beispielsweise so:
• Er macht einen Alkohol-Entzug (Alkohol-Entzug)
• Er besucht eine Männer-Gewalt-Beratung (Männer-Gewalt-Beratung)

Er sollte mehrere Monate durchgehalten haben, bevor die Frau ein erneutes Zusammenleben wagen kann. Bricht er vorzeitig ab, wird sein nächster Rückfall um so härter.

Hilft Familienberatung?
Nein. In der Familienberatung werden Sie ermuntert, in seiner Anwesenheit freimütig Ihre Meinung und Ihre Gefühle zu äußern; dafür könnte er Sie später büßen lassen.

“In unserer Beobachtung stellten wir fest, dass häusliche Gewalt wenig oder gar nichts mit dem Opfer selbst zu tun hat. Insofern macht Paartherapie keinen Sinn. Schlagen hat rein gar nichts mit der Dynamik einer Ehe zu tun. Die Ursache für das Schlagen liegt nicht in der Beziehung, sondern im Täter selbst.”

Warum passiert mir so was?
Es passiert nicht nur Ihnen:
In Deutschland hat rund jede 4. Frau körperliche und/oder sexuelle Übergriffe durch ihren Partner ein- oder mehrmals erlebt.
Leider schweigen Frauen, wenn es ihnen passiert, das lässt jede als Einzelfall dastehen.
Oft trifft es Frauen, die erfolgreich sind, möglicherweise erfolgreicher als ihr Partner.

Misshandlungen gibt es in jeder Art von Zusammenleben, unabhängig von Bildung oder Einkommen, Geschlecht oder Alter:
Auch in schwulen und lesbischen Beziehungen scheint häusliche Gewalt ebenso verbreitet zu sein.
Alte Menschen und Behinderte sind besonders gefährdet, Opfer häuslicher Gewalt zu werden.

Gründe zu bleiben:

• Drohungen des Mannes
• Materielle Sorgen
• Angst, alleine nicht zurecht zu kommen
• Sorge um die Kinder
• die Hoffnung, dass er sich ändert
• Scham, als Ehefrau versagt zu haben
• Mitleid mit dem Mann – statt mit sich selbst

Was spricht für Trennen:

Je länger sie warten, desto schwerer wird es:
• die Gewalt eskaliert mit jedem Mal
• ihr Selbstbewusstsein schwindet
• die dauernde Angst lähmt sie
• gesundheitlichen Folgen werden schlimmer

Sie gewinnen dabei:
• Vertrauen in die eigene Stärke
• die Anspannung lässt nach
• viele psychische und körperliche Beschwerden verschwinden
• sie ist nicht mehr isoliert und kann mit anderen darüber sprechen
• es gibt wieder eine Zukunft

Trennung auf Zeit

Sie können für eine gewisse Zeit
• ins Frauenhaus (Frauenhaus) ziehen oder
• eine Wegweisung (Wegweisung) des Misshandlers erwirken

Aus dieser geschützten Position können Sie
• in Ruhe überlegen, was sie selbst möchten
• mit ihrem Mann verhandeln
• ohne direkte Bedrohung juristische Schritte einleiten

Was Kinder fühlen
Viele Frauen bemühen sich, Misshandlungen vor den Kindern zu verbergen, um sie zu schützen und aus Scham.
Aber schweigt die Mutter, wagen auch die Kinder nicht, das Thema anzusprechen. Möglicherweise bleibt sie beim Misshandler, um den Kindern den Vater zu erhalten, und diese hoffen, dass sie sich endlich trennt.

Wie Kinder leiden
Auch wenn Kinder die Gewalttätigkeiten selbst nicht sehen, erfassen sie genau, was abläuft: Fast alle Kinder konnten im Detail beschreiben, was vorgefallen war (das zeigte eine Studie).

Oft glauben Kinder, am Streit der Eltern schuld zu sein, und versuchen ihrerseits, jeden Fehler zu vermeiden und die Mutter bei Angriffen zu schützen. Merkt ein Kind, dass es nichts zu ändern vermag, wird es still und ängstlich oder auch extrem aggressiv.

Folgen
• Depressionen, Selbstmordwünsche
• Bettnässen, Kopfschmerzen, Ess- und Schlafstörungen
• Drogen und Alkohol
• exzessive Gewalt
• Schulversagen

Weil der Stress in der Familie das Kind überfordert, versucht es, mit Auffälligkeiten, das Interesse der Eltern wieder auf sich zu lenken.

Aber: Bei häuslicher Gewalt reagieren Eltern darauf nicht einfühlsam, sondern mit Wut oder auch mit Gewalt: Kinder werden hier sieben Mal häufiger geschlagen als in anderen Familien.

Was Kinder lernen
Kinder, die Gewalt zwischen den Eltern erleben, sind in großer Gefahr, dieses Verhalten in ihren eigenen Beziehungen als Erwachsene zu wiederholen.
Sie lernen nicht, Kompromisse auszuhandeln, sondern dass der Stärkere sich mit Gewalt durchsetzt. Mädchen und Jungen glauben, es sei normal, dass Männer tyrannisch sind und Frauen verächtlich behandeln.

”Kinder brauchen den Vater”
Was Kinder brauchen, ist

• ein Leben ohne Brutalität, Angst und Demütigungen
• ein Zusammenleben in Respekt, Vertrauen und Frieden
• eindeutige Verhaltensrichtlinien

Misshandler als Väter
• Häusliche Gewalt beginnt oder eskaliert häufig während der Schwangerschaft. Totgeburt, Frühgeburt und vorgeburtliche Schädigungen können die Folgen sein.
• Die Mehrzahl der Misshandler schlägt die Kinder und missbraucht sie oft auch sexuell.
• 50% der Kindesentführungen bezwecken, die Mutter zurückzubekommen oder zu strafen.
• Väter veranlassen Kinder, ihre Mutter auszuspionieren und stürzen sie in einen un­lösbaren Loyalitätskonflikt.
• Manche Misshandler verlangen, dass der Mutter das Sorgerecht entzogen wird, selbst wenn sie nicht der Vater sind.
• Väter nutzen die Geltendmachung und Ausübung des Umgangsrechts, um die Mutter erneut zu schikanieren oder zu verletzen. Auch finden sie oft auf diesem Weg die geschützte Adresse von Mutter und Kind(ern) heraus.

Werden die Kinder sexuell missbraucht?
Viele Kinder verschweigen sexuelle Übergriffe.
Ein Missbraucher pflegt, sein Opfer so einzuschüchtern, dass genau das nicht passiert. Außerdem empfindet das Kind selbst Schuld und Scham für das, was ihm wider­fahren ist.
Diese Barriere müssen Kinder erst einmal abbauen.
Sagen Sie dem Kind, dass es Unrecht ist, selbst wenn es der Onkel/Vater will; dass es aber immer das Recht hat, “Nein” zu sagen.

Haben Sie den Verdacht auf sexuellen Missbrauch, holen Sie sich in jedem Fall Beratungshilfe.