Die Strafbarkeit der Rechtsbeugung ist in Spanien in dem LOPJ geregelt. Rechtsbeugung ist ein Straftatbestand, der mit einer Geldstrafe und einer Freiheitsstrafe von mindestens einem und höchstens fünf Jahren bedroht ist. Da die Verurteilung zu einer Geldstrafe bei einem „falta grave“ zwingend den Amtsverlust zur Folge hat, führt eine Verurteilung wegen Rechtsbeugung regelmäßig dazu, dass der wegen Rechtsbeugung verurteilte Richter, Staatsanwalt oder betroffene Amtsträger kraft Gesetzes sein Amt verliert, wenn nicht ausnahmsweise eine Strafrahmenverschiebung angewendet werden kann. Wie stets bei anderen Delikten ist auch der Versuch strafbar.

Rechtsbeugung ist ein so genanntes Sonderdelikt, also ein Straftatbestand, das nicht jedermann, sondern nur ein bestimmter Personenkreis begehen kann. An erster Stelle kommt als Täter der Richter in Betracht. Auch andere Amtsträger können Täter einer Rechtsbeugung sein, sofern sie eine Rechtssache zu leiten und zu entscheiden haben. Zu solchen Amtsträgern sind Sekretarios de los Juzgados (Rechtspfleger) und Staatsanwälte zu rechnen. Ein Finanzbeamter, der Steuern festzusetzen hat, kann hingegen nicht als Täter einer Rechtsbeugung in Betracht kommen, da das Festsetzungsverfahren in Spanien zu wenig förmlich und rechtlich durchgeformt ist.

Gemäß LOPJ (Durchführungsverordnung) ist Rechtsbeugung strafbar, wenn sie vorsätzlich, grob fahrlässig oder auch nur fahrlässig begangen wird, wobei bedingter Vorsatz ausreicht. Ein Richter, der eine bewusst gesetzwidrige Entscheidung erlässt, begeht aber auch dann Rechtsbeugung, wenn er die Entscheidung für gerecht hält. Der Vorsatz muss sich auf alle objektiven Tatbestandsmerkmale beziehen, insbesondere auch auf die falsche Anwendung des Rechts.