Es ist wieder soweit: IRPF 2015 – Die Einkommensteuererklärung

Das spanische Steuerrechtssystem ist so wenig transparent für alle Ausländer, dass man ohne Berater fast immer unwissend gewisse Irrtümer begehen kann, die dann zu zusätzlichen Kosten führen. Zwar hat die spanische Finanzbehörde – Agencia Tributaria – sich einiges einfallen lassen, um das Ausfüllen der Steuererklärung zu erleichtern. jedoch, nach unserer Meinung, ist die Materie dadurch nur noch komplizierter geworden.

Die sogenannte “Campaña de la Renta”, d.h. Erklärung des Einkommens in Spanien, ist jeweils zwischen Anfang April und Ende Juni im Folgejahr einzureichen; d.h., grundsätzlich jeder Steuerpflichtige, der im relevanten Jahr 2015 ein der spanischen Steuer unterliegendes Einkommen erzielt hat, muss seine Erklärung bis spätestens zum 25. bzw. 30. Juni 2016 abgegeben haben.

Auch wenn man glaubt, von der Abgabepflicht befreit zu sein, ist es notwendig, die Steuererklärung sozusagen zu simulieren. Diese Erfordernis sieht eine neue Regelung vor, damit fahrlässige oder grob fahrlässige Steuerkürzungen unterbunden werden.

Zielsetzung der “kleinen Reform” soll laut der Regierung sein: Schaffung von

Arbeitsplätzen. Steuerermäßigung für den Durchschnittsbürger und somit durch höhere Nettoeinkünfte der Steuerpflichtigen die Steigerung des Konsums, damit Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zu fördern, wie auch Stimulation des Wachstums, Modernisierung des Steuersystems, Förderung der Einsparungen und Investitionen.

Das neue Erfassungverfahren soll auch zu einem gerechteren Steuersystem, größerer Steuerermäßigung bei den mittleren und niedrigen Einkommen, sozialen Leistungen für Personen mit Behinderung führen – aber Rentenbezieher?

a.) Der spanische Gesetzgeber sieht zwar für 2015 und 2016 eine stufenweise Senkung der Steuersätze für natürliche Personen vor – neben anderen “Steuergeschenken“ -, jedoch die avisierten „Steuererleichterungen“ werden durch gegenläufige Maßnahmen zum Teil wieder wett-, in manchen Fällen sogar zunichte gemacht.

b.) Nicht nur die Steuersätze werden geändert, auch das System zur Steuererklärung sollte ja vereinfacht werden. Somit gibt es für die Einzelpersonen nicht mehr das bisherige System „PADRE“ – welches jedoch für die Steuerpflichtigen weiterhin gültig bleiben wird, die z.B. regelmässige Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (actividades económicas) haben – sondern das neue System „Renta Web“. Nach Auffassung der Steuerspezialisten ein Wirrwarr.

Wir haben mit weiteren Steuerfachleuten diskutiert, die die allgemeine Auffassung über die „eigentlich gar nicht vorhandene Steuererleichterung“ klar bestätigen, dazu hat auch das neue System, um die entsprechenden Erklärungen auszufüllen, “Dünnstellen und Fallen”; fast eine Konfusion.

Dazu teilte uns die Finanzbehörde in Madrid auf unsere Anfragen mit, ohne auf die reklamierten Mißstände zu spezifiziert zu antworten: Die Steuerpflicht in Spanien richtet sich nach dem Prinzip des gewöhnlichen Wohnsitzes. In der Regel ist man in dem Land steuerpflichtig, in dem man 183 Tage des Jahres ansässig ist. Damit sind auchdie Langzeiturlauber und nicht nur alleine die Residenten betroffen.

Vorsicht! Z. B. für den ThyssenSohn, der eine unrichtige Angabe über seine Aufenthaltsdauer in Spanien gemacht hatte und somit eine für das Finanzamt eine unrichtige/fingierte Steuererklärung einreichte, hat die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert. Simulieren Sie daher keine “unechten Zeiten”, denn es werden durch die Datenvernetzung die Verbrauchskosten, Bankbewegungen, Kreditkarten und Telefonkontakte kontrolliert und überprüft. Degradierung des Menschen zu einem Element des Staates?

Somit kann man sich nur teilweise auf das innerhalb der EU geltende sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen berufen, um die doppelte Besteuerung des Einkommens zu vermeiden. So deren weiterer Tenor: der Einkommensteuer unterliegen sämtliche Einkommen des Steuerpflichtigen entsprechend dem sogenannten Welteinkommensprinzip (d.h. auch ausländische Einkommen, z.B. Zinszahlung oder Dividenden, somit alle sonstigen Einkünfte im Heimatland, Ruhestand -und Rentenbezüge, etc.).

Vorsicht! Auch für Hausund Wohnungseigentümer wurden wirklich härtere Bandagen angelegt: Da nach deutschem Steuerrecht (gilt ähnlich auch für Schweizer und Österreichische Staatsbürger) und Gewinne aus der Veräußerung von Immobilien steuerfrei sind, wenn der Verkauf nach mehr als 10 Jahren nach dem (entgeltlichen) Erwerb erfolgte, meinen viele nichtspanische Bürger und Residenten, die Veräußerungsgewinne seien auch in Spanien nicht steuerbar. m spanischen Steuerrecht gibt es derartige Steuerbefreiungen oder Spekulationsfristen nicht. Vielmehr sind nun alle Veräußerungsgewinne steuerpflichtig.

Es wurde die Abschaffung der Inflations- und Ausgleichskoeffizienten für die

Berechnung des Vermögensgewinns beim Verkauf einer Immobilie beschlossen. Bislang konnte mit diesen Koeffizienten die Entstehung von Scheingewinnen aufgrund der Inflation verhindert oder zumindest gemildert werden. Weiterhin sollte der Ausgleichskoeffizient die Nachteile kompensieren, die durch den Untergang der bis 1994 geltenden Steuerfreiheit für mehr als 10 Jahre lang gehaltene Immobilien entstanden.

Konkret wurde der steuerliche Erwerbswert (Anschaffungskosten) einer Immobilie bei einem Verkauf wesentlich erhöht und somit der zu besteuernde Ertrag zwingend verringert. Nun wird nur noch der Ausgleichskoeffizient angesetzt werden können, und auch dies nur für den ersten Teil des Verkaufspreises. Damit wird der Verkauf von seit vielen Jahren gehaltenen Immobilien in vielen Fällen steuerlich signifikant teurer, was auch die Schenkung- und Erbschaftssteuer betreffen wird.

Doch dieses fiskale Problem kann man mit einem steuertechnisch legalen Verkauf einfach lösen, in dem der Eigentümer weiterhin legaler Inhaber bleibt und ohne diese erweiterten Kosten und Beteiligung des spanischen Fiskus oder den Steuerbehörden des Heimatlandes, wenn die Immobilie eines Tages, in welch einer Form auch immer (Verkauf-, Schenkung oder Erbschaft), übertragen werden wird.

Vorsicht! Viele autonome Regionen haben die Erbschaftssteuer durch Erhöhung der Freibeträge für nahe Angehörige oder Schaffung von Steuerbefreiungstatbeständen reduziert. Europabürger-Erben profitieren im Moment hiervon allerdings regelmäßig nicht, da die Freibeträge bzw. Steuerbefreiungen nach bisher geltendem spanischen Recht nur dann in Anspruch genommen werden können, wenn sowohl der Erblasser als auch der Erbe den steuerlichen Wohnsitz in Spanien hatte bzw. hat. Es findet insoweit eine Ungleichbehandlung statt.

Wir können nicht auf alle Einzelheiten bei diesem umfangreichen Themas in dem vorliegenden Bericht eingehen. Gleich welche Fragen Sie haben, oder zum Einreichen von Steuererklärungen, etc., erreichen Sie unser Büro UN€LEX unter der Rufnummer 691.903.750.

Aus Erfahrung unserer Mandanten weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass die spanische Steuerbehörde schon bei Verdacht immer sofort pfändet und erst danach fragt…