Die Steuertermine

Das spanische Steuerrechtssystem ist so wenig transparent für alle Ausländer, dass man ohne Berater fast immer unwissend gewisse Irrtümer begehen kann, die dann zu zusätzlichen Kosten führen. Zwar hat die spanische Finanzbehörde – Agencia Tributaria – sich einiges einfallen lassen, um das Ausfüllen der Steuererklärung zu erleichtern. jedoch, nach unserer Meinung, ist die Materie dadurch nur noch komplizierter geworden.

Die ersten Dokumente müssen bis zum 31. Mai bei dem Finanzamt vorgelegt und bis zu diesem Termin auch die entsprechend fälligen Zahlungen entrichtet sein. Weitere Steuererklärungen (IRPF) müssen danach bis spätestens 30. Juni eines jeden Jahres eingereicht und falls in einer entsprechenden Einkommensteuerklasse, diese fälligen Beträge auch bis dahin einbezahlen.

Die IRPF ist eine persönliche Steuer, die in der Regel personenbezogen erhoben wird, obwohl auf Antrag auch Familien¬einheiten zusammen veranlagt werden können. Steuersubjekte der IRPF sind alle natürlichen Personen, die in einem Steuerjahr (Kalenderjahr) als in Spanien ansässig gelten. Die IRPF befasst sich also nur mit der unbeschränkten Steuerpflicht der in Spanien ansässig Personen. Es gibt auch eine beschränkte Steuerpflicht die durch ein separates Gesetz geregelt ist.

Das Pendant zur deutschen Einkommensteuer ist der Impuesto sobre las Rentas de Personas Fisicas (IRPF) und richtet sich nicht alleine nach dem Prinzip des gewöhnlichen Wohnsitzes sondern an alle diejenigen Bürger/Residenten/Personen und sogar Langzeiturlauber, die mehr als 183 Tage eines Kalenderjahres in Spanien anwesend sind. Teilweise Abwesenheit gilt auch als Anwesenheit, es sei denn das Steuersubjekt kann eine steuerliche Ansässigkeit in einem anderen Land mittels des entsprechenden Zertifikats der zuständigen Steuerbehörden nachweisen. Diese Vermutung der spanischen Steuerbehörde kann durch einen entsprechenden Beweis widerlegt werden.

Es gilt grundsätzlich zu beachten: Der Einkommensteuer unterliegen sämtliche Einkommen des Steuerpflichtigen (d.h. auch ausländische Einkommen, z.B. Zinszahlung in Deutschland); sogenanntes Welteinkommensprinzip. Jedoch gelten innerhalb der EU sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), um die doppelte Besteuerung des Einkommens zu vermeiden. Es unterliegen der Besteuerung in Spanien:

Das Arbeitseinkommen aus unselbständiger Arbeit basierend auf die Lohn/Gehaltsabrechnung einen auf die persönlichen Umstände des Arbeitnehmers. Die Höhe der Abzüge hängt von der persönlichen Situation des Arbeitnehmers ab: Familienstand, Kinder, Berücksichtigung von Freibeträgen etc. Versteuert werden müssen in Spanien alle privaten Renten, die vom Heimatland an die in Spanien lebenden Bürger gezahlt werden. Das betrifft auch die Renten, die von der deutschen, schweizer oder österreichischen Sozial¬/Rentenversicherung gezahlt werden. Genauer gesagt: Es ist von grundsätzlicher Bedeutung, zwischen privaten und staatlichen Renten zu unterscheiden. Im Falle einer privaten Rente, die einem in Spanien lebenden Ausländer vom heimischen Staat gezahlt wird, wird diese Rente nur im Land des ständigen Wohnsitzes, das heißt in Spanien, versteuert (Wohnsitzprinzip).

Dagegen ist der Empfang einer staatlichen Rente (ein immer als einschränkend auszulegender Begriff), welche einem in Spanien lebenden Bürger ausländischer Nationalität vom Heimat-Staat ausgezahlt wird, nur im rentenzahlenden Land zu versteuern.

Der Kapitalertrag in Spanien wird direkt an der Quelle besteuert. Freibeträge wie in Herkunftsland der Steuererklärenden gibt es nicht. Falls wie üblich der Kapitalertrag schon bei der Bank einbehalten und an das Finanzamt weiterleitete wurde, erhält man eine entsprechende Bescheinigung über die Beträge.

Nachfolgende Einkommen fallen unter die Rubrik Einkünfte aus selbständiger Arbeit: Selbständigkeit: Vermögensveräusserungsgewinne, Erträge aus Glücksspiel, Lotterie, etc., Mieteinnahmen.

Ein wichtiger Punkt für Ausländer, die nicht in Spanien gemeldet sind, sondern nur ein Steuerobjekt haben (Immobilie, Firma, etc.) Das Steuersubjekt ist durch den Eigentümer zur Selbstveranlagung der Steuer jährlich verpflichtet. Die Frist für die Einreichung der entsprechenden Steuererklärung liegt in der Regel zwischen dem 1. Mai und dem 30. Juni jenes Jahres, das dem jeweiligen Steuerjahr folgt.

Befreiungen von der Pflicht der Steuererklärung: 1.) Gesamtarbeitseinkommen liegt unter der gesetzl. Grenze. 2.) Diese Grenze gilt auch bei Erhalt von Unterhaltszahlungen und bei Erhalt von Renten/Pensionszahlungen aus dem Ausland. 3.) Summe aller Einkommensarten (mit Quellenabzug oder nicht) bis 1000 € und 4.) Kapitalerträge und Vermögensveräusserungsgewinne unterhalb von 1600 €/Jahr, wenn diese dem Quellenabzug unterliegen.

Es gibt auf der WEB Site des Finanzamtes das Programmpaket «PADRE». Mittels des Programms Padre lassen sich eine oder mehrere Steuererklärungen erstellen. Damit lässt sich eine PDF Datei erstellen, die man entweder direkt bei Besitz des elektronischen Zertifikates oder auch durch Online-Banking an die Finanzbehörde weiterleitet. Man kann sich nach vorheriger Terminvereinbarung die Steuererklärung auch in der Finanzbehörde durchführen. Jedoch – auch mit geringen oder keinen Spanischkenntnissen – ist diese Variante für einen Steuerpflichtigen kaum möglich. Falls Sie Fragen haben, kontaktieren Sie uns, auch hinsichtlich der durchzuführenden Erklärungen.

Unbedingt beachten: Die Befreiung von der Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung bedeutet nicht Befreiung von der Steuerpflicht bzw. Steuerzahlung. Aus Erfahrung dürfen wir den in Spanien lebenden Bürgern ans Herz legen: Auch wenn man der Meinung oder Überzeugung sein sollte, dass man von der Abgabepflicht befreit sein sollte, ist es empfehlenswert eine eigentliche Steuererklärung zu simulieren und einzureichen. Das Ergebnis, wenn auch mittelfristig ist, kann nur zu Gunsten des (evtl. Nicht-) Steuerpflichtigen sein und hat eine Handhabe zum Nachweis, falls eine nachträgliche Veranlagung erfolgen sollte.

Aus Erfahrung unserer Mandanten weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass die spanische Steuerbehörde schon bei Verdacht immer sofort pfändet und erst danach fragt…